Vision Feldkirchen 2.0 - der Dialog definiert das Ziel

In der Marktgemeinde Feldkirchen/Donau stand die vergangene Woche ganz im Zeichen der zukünftigen Entwicklung. In einem dreitätgigen Planungsworkshop wurden Feldkirchens Bewohnerinnen und Bewohner eingeladen mitzudenken und mitzugestalten.

Feldkirchen/Donau ist (derzeit) eine agrarische geprägte Gemeinde mit einem hohen Freizeitwert (Badeseen, Donau, Pesenbachtal usw.) an der Grenze zum „Linzer Speckgürtel“. Die kompakte Struktur des Ortskerns stellt dabei für die Gemeinde eine aus­ge­zeichnete Basis für einen kontinuierlichen und geordneten Wachstumsprozess dar. Idealtypisch sind alle örtlichen Funktionen (Schule, KIGA, Nahversorger, Gewerbebetriebe,…) in einem Radius von 400 – 500 m gegeben und damit fußläufig erreichbar. Aufgrund der Entwicklung der Grundstückspreise im Linzer Zentralraum und des dort gegebenen Bevölkerungswachstums ist in naher Zukunft damit zu rechnen, dass Feldkirchen in Zukunft dynamisch wächst .

 

Bewohner und die politisch Verantwortlichen der Gemeinde Feldkirchen, allen voran Bürgermeister Franz Allerstorfer, haben sich mit dieser Entwicklung im Rahmen der „Vision Feldkirchen“ bereits 2015 intensiv auseinandergesetzt. Mit diesem Ortsentwicklungsprojekt wurden visionär und deutlich Ent­wicklungsschritte und Siedlungsgrenzen für die Zukunft definiert.

 

Zitat Bürgermeister Franz Allerstorfer:

„Als Bürgermeister ist es mir ein großes Anliegen, die Entwicklung von Feldkirchen gemeinsam mit den Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürgern zu gestalten und festzulegen. Das dialogische Planungsverfahren Vision 2.0 ist dafür ein hervorragendes „Instrument“. Wir sind auf einem guten, gemeinsamen Weg.“

 

Die „fact-finding“-Mission: Orientierung an bereits umgesetzten Vorbildprojekten

 

Die gemeinnützige Wohnungsgesellschaft GIWOG hat ein Grundstück mit einer Fläche von ca. 50.000 m2 angekauft, das in der Vision Feldkirchen als ideales Wohngebiet ausgewiesen wurde („Feldkirchen West“).

 

Vor Bebauung des Areals müssen folgende Aspekte berücksichtigt werden, um beste Wohn- und Lebensqualität zu bewerkstelligen:


- soziologisch-gemein­schaftlich (Was macht eine Dorfgemeinschaft aus? Welche Menschen sollen hier leben? Wie sollen sie mit der bestehende Ortsgemeinschaft interagieren, wie sie befruchten?)

- wirtschaftlich (Welche Auswirkungen sind auf die regionale und lokale Wirtschaft, auf die infrastrukturelle Versorgung, auf die Arbeitsplätze zu erwarten?)

- verkehrstechnische (Welche Formen des Verkehrs sind anzustreben, wie sollen die Verkehrswege gestaltet werden? Welche Chancen ökologischer Mobilitätsformen ergeben sich durch das Bevölkerungswachstum?)

- städtebauliche (Was ist eine erstrebenswerte Größe des Dorfs? Welche Dichte ist erforderlich? Welche Dimensionen soll eine neue Bebauung aufweisen?)

- architektonisch (z.B. unter Wahrung der Maßstäblichkeit) gelingen?

 

Da die GIWOG an einem langfristigen Engagement und damit Partnerschaft mit der Gemeinde interessiert ist, wurde im Zuge einer „fact-finding“-Mission die Gemeinde Weyarn in Bayern besucht. Wesentliche Impulse für die Gestaltung der Ortsentwicklung wurden dort gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitet. Eine Delegation aus interessierten Feldkirchnerinnen und Feldkirchnern erhielten gemeinsam mit Vertretern des Gemeinderats wertvolle Einblicke.

 

Einen Schritt weiter: Das Dialogische Planungsverfahren

 

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wurde von der Gemeinde gemeinsam mit der GIWOG und dem Architekten- und Ortsentwicklungsteam von Kleboth und Dollnig und Richard Steger das Dialogische Planungsverfahren „Vision Feldkirchen 2.0“ entwickelt und in der vergangenen Woche mit hoher Beteiligung durch die Feldkirchner durchgeführt (vgl. Beilage und auch Grafik). Experten für dörfliche Entwicklung (z.B. Peter Haimerl) und Grünraumgestaltung (Frau Carlo Lo) lieferten wertvolle Impulse in dem dreitätigen Planungsworkshop. An der Schlusspräsentation am Samstagvormittag nahmen trotz des heißen Wetters mehr als 50 Personen teil.

 

Zitat GIWOG Vorstandsvorsitzender Mag. Wolfgang Modera:

„Die Grundidee von „Vision Feldkirchen“ war immer, nicht Häuser oder eine Siedlung zu bauen, sondern die Gemeinde Feldkirchen zeitgemäß weiterzuentwickeln. Nur durch die Einbindung aller kann es gelingen, eine hohe Wohnzufriedenheit bei den neuen und den alten Bewohnern zu erreichen. Wichtig ist deshalb die Eingliederung der neuen Bewohner in die gewachsene Dorfgemeinschaft. Wir sind überzeugt, dass dies freilich nur bei einer entsprechend gestalteten, also geplanten Entwicklung erfolgversprechend gelingen kann.“

 

Im Verfahren konnten fünf Teile Feldkirchens und deren Qualitäten herausgearbeitet werden:

NORD: Gewerbliche Nutzung für Büros und Gewerbe/Industriebetriebe, Gastronomie, Gesundheitswesen

OST: Zone mit Dienstleistungsfunktionen für Bildung und Sport, Versorgungsangebote

SÜDWEST: Wohnen in kleinteiliger Struktur (vorzugsweise Eigenheime)

WEST: hochwertiges Wohnen in verschiedenen Formen und Eigentumsverhältnissen; lebendige Nachbarschaften; abwechslungsreiche, öffentliche Grünflächen

ZENTRUM: Wohnen und Dienstleistung, Begegnungszone, Baumalleen, mehr Bepflanzung

Die fünf Bereiche sind prototypische angeordnet, zwischen den Bereichen gibt es räumliche Pufferzonen.

 

Zitat Architekt und Städtebauexperte Andreas Kleboth:

 „Dörfer bieten sich durch neue gesellschaftliche und technische Voraussetzungen völlig neue Chancen für eine Renaissance des gemeinschaftlichen Lebens. Ganz im Sinne, dass jeder m² Boden einzigartig und nicht vermehrbar ist, sollten wir diese Gelegenheit ergreifen und das Leben am Land wieder neu erfinden. Feldkirchen hat aufgrund seiner klaren räumlichen und funktionalen Struktur ideale Voraussetzungen Wohnen und Arbeiten, Gemeinschaft und Freizeit, Nachhaltigkeit und Lebensqualität zu verbinden. Hier könnte durch gemeinsame Anstrengung aller Beteiligter, ein Prototyp für das Dorfleben im 21. Jahrhundert realisiert werden. 

 

Zitat Architekt und Städtebauexperte Richard Steger:

„Die Voraussetzungen für ein buntes durchmischtes Dorfzentrum mit vielfältigen Wohnformen, zahlreichen Wohnungsaffinen Nutzungen sowie Arbeitsplätzen sind in Feldkirchen optimal gegeben. Damit könnten viele Wege des Alltags zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Das macht aus ökologischer Sicht Sinn, macht für Feldkirchnern und Feldkirchnerinnen unter Umständen  den Besitz eines Autos verzichtbar und erlaubt eine rege Kommunikation im öffentlichen Raum. Nachbarschaft wird so im Alltag gelebt.“

 

Die Erarbeitung eines von Bauträger gewünschten Bebauungsplans unter reger Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern ist nicht selbstverständlich und stellt für eine Marktgemeinde wie Feldkirchen zweifellos ein Novum dar. Als gemeinnütziger Bauträger ist die GIWOG gemeinsam mit dem Planer der Vision Feldkirchen 1.0 und nun 2.0, Architekturfachgeschäft Kleboth, an einer langfristigen Entwicklung interessiert. Dabei steht eine möglichst organische Ortsentwicklung im Vordergrund.

 

Ausblick: Wie geht es weiter?

 

Anfang September 2019 werden in einem weiteren Dialogischen Planungsschritt die Grundlagen für den Bebauungsplan erarbeitet. Ziel dieses Prozessschrittes ist es, konkreten Baufelder, Typologien der Baukörper, Dimensionen der Gebäude etc. definiert zu haben, die den Qualitäten der jeweiligen Ortsteile am besten entsprechen.

Aus heutiger Sicht gehen wir aus den verschiedensten Gründen von einer heterogen, insularen Bebauung des Areals „Feldkirchen West“ aus.